[Shadowrun] Joshua Kolwe - Querx

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TimeShift
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[Shadowrun] Joshua Kolwe - Querx

Beitrag von TimeShift » 20 Mär 2014, 18:13

Joshua Bormann (aka. Joshua Kolwe, aka. Takumara Jushu)
Querx Rigger

„Sohn des Crashs“. Tja, so kann man ihn wohl nennen, auch wenn er sich darüber nicht unbedingt erfreut zeigt. Und doch steckt in diesem ominösen Titel mehr Wahrheit, als Joshua lieb wäre.
Dabei begann seine Geschichte bereits weit vor dem eigentlichen Crash. Auf einer Sicherheitskonferenz in New York, um ganz genau zu sein. Jenem verhängnisvollen Ereignis im Jahre 2023, als der Junior-Agent Bruce Kolwe auf die CCC-Aktivistin und Sicherheitsexperin Barbara Bormann traf. Die beiden verstanden sich, trotz ihrer unterschiedlichen Muttersprachen, auf den ersten Blick hervorragend und legten den Grundstein für eine transatlantische Freundschaft, die sich im Laufe der folgenden Jahre zu einer Ehe entwickeln sollte, der bald schon eine Tochter folgte: Elisabeth Kolwe, der späteren, älteren Schwester von Joshua.
Doch dann, keine zwei Jahre nach ihrer Geburt, geschah es: Der große Crash von 2029. Bruce, mittlerweile ein führender Sicherheitsexperte der US-Marines, wurde für das zweite Welle von Echo Mirage ausgewählt. Aufgrund der Erfahrungen, die bei den ersten Versuchen, das Virus einzudämmen gemacht wurden, griffen die Militärs jedoch zu allem, was die Chancen ihrer Leute erhöhen sollte: Drogen, unbekannte, unerprobte Chemikalien, erste Prototypen von Naniten, Giften und den schlimmsten psychischen Trainings, die sich ein gesunder Verstand nur vorstellen konnte. Barbara erfuhr davon nur, wenn ihr Mann ab und an nach Hause kam, um sich von den Vorbereitungen zu „erholen“. Doch bereits dort merkte sie nur zu gut, dass er immer weiter weg driftete, die Marines alles taten, um ihr Ziel zu erreichen und dabei das Menschenleben, das sie dort ruinierten, völlig ausblendeten. Ihnen war nur das Ergebnis wichtig – und sonst nichts.
Krampfhaft redete Barbara auf ihren Mann ein, der jedoch unbeirrt weiter auf seinen Arbeitgeber vertraute. Insbesondere im Hinblick auf die weltweiten Auswirkungen, die das Virus bereits angerichtet hatte. Außerdem, so beruhigte er seine Ehefrau, würde er bereits in der kommenden Woche mit seinen Kollegen in die Datennetze eintauchen und das Virus stellen. Dann hätte auch dieses leidige Thema ein Ende.
Aber zu eben diesem leidigen Ende sollte es nicht mehr kommen. Denn als die nächste Woche und damit der erneute Angriff auf das Virus folgte, war Bruce einer derjenigen, die durch das Virus ihr Leben verloren. So hinterließ er seine Ehefrau und seine Tochter, die New York verließen und aufs Land zogen. Nichts wäre Barbara Kolwe lieber gewesen, als diese verdammten USA zu verlassen und zurück nach Deutschland zu fliegen, doch die ausbrechenden Kriege in Europa hielten sie davon ab. Stattdessen brachte sie, im Jahre 2030, schließlich Joshua zur Welt. Ein Junge, der bereits bei der Geburt die Ärzte aufgrund seiner seltsamen Hautfarbe teils überraschte, teils entsetzte. Denn das, was sie dort zur Welt brachte, war nicht nur irgendein Zwerg, sondern viel mehr ein Querx.
2037 dann endlich, kurz nach Ende der Eurokriege, reiste Barbara mit ihren beiden Kindern zurück nach Deutschland und suchte sich in den hügeligen Flächen des Bergischen Landes Zuflucht. Ihr Motto: Nur weit weg von der ganzen Tech, weit weg von den Großkonzernen, die immer mehr nach der Macht griffen. Doch für Joshua, nach der Heimkehr seiner Mutter ebenfalls wieder unter dem Namen Bormann bekannt, bedeutete der Umzug vor allem eine kleine Erleuchtung. Denn in dem engen, isolierten Umfeld des Landes, fern von den Hauptzugängen zur Matrix, entdeckte er das Erbe, das ihm die Militärs seinem Vater und auch ihm beschert hatten: Eine intuitive und selbstverständliche Kommunikation mit allem, was irgendwie technisch war. Er verstand es, die kabellosen Netzwerke in seiner Umgebung durch bloße Konzentration wahrzunehmen und in sie einzutauchen. Derartig im Vorteil gelangen ihm überraschende Ergebnisse in Schule und im Studium, wobei er jedoch aufgrund seiner eigenwilligen Erscheinung eher ein Randdasein fristete – obgleich er stets mit den besten und unerreichbarsten Warez zu handeln in der Lage war.
Nach Abschluß seines Studiums mit Bestnote fand er schnell eine Beschäftigung in der Computer- und Landwirtschaftsystemeabteilung von AG Chemie. Hier arbeitete er sich schnell zu einer der Führungspersonen innerhalb der Abteilung nach oben, wobei die Tatsache, dass ausgerechnet sein Chef ebenfalls zur nicht weit verbreiteten Metamenschensorte der Querxe gehörte, wohl eine entscheidende Rolle spielte. Wahrscheinlich wäre es noch weiter so gut gegangen, hätte da nicht das Schicksal einen Streich gespielt und 2064 zu diesem fatalen Crash 2.0 geführt.
In der Kälte dieses Jahres und den darauffolgenden Jahren verlor Joshua seine Mutter, seinen Job und damit auch sein Zuhause. Zwar fand er mit seiner Erfahrung, seinen Zeugnissen und dank seiner Kontakte schnell wieder eine neue Anstellung bei Ares, jedoch fiel er dort aufgrund seiner behänden Fähigkeiten im Umgang mit der neuen Wireless-Matrix und den Computersystemen seines Arbeitgebers auf. Gerüchte machten die Runde, er, der er sich so schnell mit den Systemen vertraut gemacht hatte, wäre ein Technomancer. Noch immer unter dem Trauma des Crashs und nur wenige Wochen nach Arbeitsbeginn war er also wieder auf der Straße. Und es kam noch schlimmer.
Keine zwei Tage nach seiner Entlassung stand ein wütender Mob vor seiner Tür, drohte sich auf ihn zu stürzen. Immer wieder hörte er nur die wütenden Schreie jener, die durch den Crash alles verloren hatten, deren Leben so radikal umgeworfen worden waren und die nichts Besseres zu tun wussten, als all ihren Frust, all ihre Angst, ihre Wut und Zorn auf ihn, eben jenen ungewöhnlichen Blaumann, zu entladen.
In seiner Not kratzte Joshua alles zusammen, was er besaß und er mitnehmen konnte, zahlte eine horrende Summe für ein Flugticket und verließ die ADL in Richtung einer der wenigen Orte, die Technomancer duldeten – selbst wenn er selbst kein solcher war. Sein Weg führte ihn nach Neo-Tokio, wo er Anstellung bei Chrysler-Nissan fand. Allerdings hatte er seine Zeugnisse, seine SID, alles, was er gewesen war, bewusst in seiner einstigen Heimat zurück gelassen. Statt einer Führungsposition, die ihm mit seiner Qualifikation eigentlich zugestanden hätte, fand er also nur als normaler Arbeiter, der die Konstruktionsmaschinen kontrollierte und wartete Anstellung. Die Arbeit war körperlich anstrengend, stumpf und frustrierend, wenn man bedenkt, dass eine hinreichend hochentwickelte Autosoft einer Drohne die Tätigkeiten, die er durchführte, auch zu erledigen in der Lage gewesen wäre. Im Gegenzug erhielt er ein Gehalt, das gerade genug war, um zu überleben, in einer kleinen Kapsel zu hausen und sich neben warmer Mahlzeiten den Frust und Schmerz mit reichlich Sake herunter zu spülen.
Erneut gingen etliche Jahre ins Land. Jedoch bemühte sich Joshua diesmal bewusst, eben nicht aufzufallen. Er lieferte durchschnittliche Arbeit, kam nicht zu früh, nicht zu spät, blieb mit seinen Tätigkeiten vollends im Rahmen dessen, was von ihm erwartet wurde. Um nicht völlig abzustumpfen brachte er sich durch Zuhören und mittels etlicher Trainingsprogramme die japanische Sprache so weit bei, dass er 2072 problemlos eine neue SID auf dem Schwarzmarkt erstehen konnte: Takumara Jushu-san.
Mit dieser neuen SID gelang ihm im Jahre 2073 schließlich die Ausreise zurück in die ADL. Doch anders als seine Mutter zog es ihn nun zurück in eben jene Region, in der er unauffällig leben können würde. Die einzige Region, in der Querxe zählbar häufiger vorkamen: Ins Erzgebirge.
Dankenswerterweise hatte der Crash 2.0 sämtliche Aufzeichnungen über seine Mutter, seinen Vater, seine Vergangenheit und sogar seine Ausbildungen rückstandsfrei aus der Erinnerung seiner Heimat gelöscht. Hätte er nicht einen Ordner mit ausgedruckten Zeugnissen, den er stets in seiner Tasche mit sich trug und gut vor jedem fremden Blick zu schützen wusste, er wäre selbst der Meinung gewesen, niemals existiert zu haben.
So zog er sich an den unwahrscheinlichsten Ort zurück, an dem ihn wohl niemand finden würde – Lichtenberg, mitten im Herzen des Osterzgebirges, fernab aller Großkonzerne und Sicherheitsbehörden. Und hier beschloß er, die unwahrscheinlichste aller Arbeiten zu verrichten: Die Arbeiten eines Hausmeisters einer Grundschule des Landkreises. Doch wie so vieles, das er in den vergangenen Jahren getan hatte, war auch dies nur eine wohl durchdachte Tarnung, eine Flucht vor dem System, ein Versteck, um durch die Maschen des Netzes zu schlüpfen, den wachsamen Blicken jener, die ihn suchen könnten, zu entkommen.
Denn in Wahrheit hatte er eine ganz andere Berufung. Verborgen in den Schatten, zwischen den Großkonzernen und den Sicherheitsgittern kämpfte er gleichzeitig für und gegen das System, für und gegen eine Ordnung.
Als Runner.

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