Tales from the Table (D&D 5e): Krissa

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Mercen
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Re: Tales from the Table (D&D 5e): Krissa

Beitrag von Mercen » 13 Nov 2021, 07:07

25 Nightal 1491 DR

Am Morgen fackelten wir die Hütte ab. Das Böse sollte keine Heimstatt mehr haben. Die Rauchfahne war meilenweit zu sehen und ich denke, dass auch einige andere Lebewesen hier im Sumpf heilfroh waren, dass das Problem beseitigt war.
Gegen Nachmittag sahen wir wieder Rauch von Herdfeuern, diesmal von mehreren. Wir näherten uns offenbar einer weiteren Erhebung. Dieser Hügel war deutlich größer als die anderen. Die Fußspuren wurden häufiger. Die Wolfspuren auch. Wir näherten uns einer Siedlung. Auf dem Hügel standen mehrere Hütten, die von einer Palisade umzäunt waren. Rechts davon stand noch etwas anderes, nämlich eine große Plattform aus Stein, die teilweise im Boden versunken war.
Zu der Insel führte eine hölzerne Brücke, die von einem Wachturm flankiert war. Neben der Brücke lagen Boote, die halb auf das Ufer gezogen waren. Richtung Norden sahen wir eine weite, offenen Wasserfläche.
Ein fröhliches Hornsignal kündete unsere Ankunft an.
"Dann will ich mal hoffen, dass die friedlich sind.", sagte Luker. "Das könnten selbst für dich zu viele sein, Krissa."
"Ach, zur Not habe ich ja noch den jhuild."
"Wir könnten auch erst einmal reden.", meinte Artemis.
"Sicher, ich sagte ja auch: Zur Not. Ich gehe zwar keinem Kampf aus dem Weg, aber ich fange ihn auch nicht an."
Zwei grinsende Gesichter sahen mich an.
"Na gut, meistens."
Die beiden grinsten weiter.
"Was?!"
"Och, nichts."
Wir gingen über die Brücke und zwei Goblins erwarteten uns. Ich war mir sicher, dass noch viel mehr im Hintergrund lauerten, wahrscheinlich mit Bögen.
"Was ihr wollen, Fremde?"
"Wir brauchen ein Boot, um die Hexe zu befreien. Können wir eins borgen?"
"Ihr Boot? Von uns? "
Das Erstaunen auf ihren Gesichtern war deutlich zu erkennen.
"Wir Goblin, nicht Bootsverleih."
"Ja, schon klar. Fragen können wir ja trotzdem."
Die beiden tuschelten miteinander.
"Ihr wissen, wo Marscha?"
"Ja, deshalb brauchen wir ein Boot."
Die beiden tuschelten erneut.
"Gut, wir euch bringen zu König Gumba. Er entscheiden, ob ihr können haben Boot."
Sie brachten uns in das Dorf. Frauen und Kinder säumten den Weg und bestaunten uns. Worgs geiferten an ihren Leinen. Wahrscheinlich waren wir seit langem die ersten, die auf ihren eigenen Füßen das Dorf betraten. Wir steuerten auf die größte Hütte zu. Vor der Hütte lag eine Steinkugel von vielleicht 2 Meter Durchmesser, die halb im Boden vergraben war.
Die Hütte war prächtig eingerichtet, mit Stechpalmenzeigen, Echsenmännerschädeln, Waffen und Schilden. Auf einem Thron saß ein ziemlich fetter Goblin. Neben ihm stand ein kleiner schlanker Mann mit weißen Haaren, der mehrere Pergamentrollen in der Hand hielt.
"Willkommen, Fremde.", sagte das dicke Ding auf dem Thron.
"Ehre sei König Gumba.", erwiderte Artemis und verbeugte sich. Der König nickte geschmeichelt und wir beeilten uns, uns ebenfalls zu verbeugen.
Da muss ich wohl noch etwas lernen. Bolg hatte nie von der Etikette erzählt, also, wie man hochgestellte Persönlichkeiten ansprach. Klar, wir waren Rashemi und verbeugten uns nicht, aber andere Völker haben andere Sitten.
"Ihr wollen Boot?"
"Ja."
"Ihr bekommen, wenn helfen kleine Mann hier lösen Rätsel um Plattform draußen. Darunter ich denken große Schatz ist. Wenn ihr heben Schatz ihr bekommen Boot."
Der kleine Mann stellte sich als Marspot Gimlebum vor und er wäre ein Gnom. Von denen hatte ich noch nie gehört.
"Die Plattform hat vier halbkugelige Schalen in jeder Ecke. Ich zeige euch das gleich. Dort muss etwas Bestimmtes hinein, soweit bin ich schon. Aber alles was wir bisher ausprobiert haben, funktioniert nicht. Wasser, Blut, Opfergaben, es bewegt sich nicht. Vielleicht habt ihr eine gute Idee."
Er blinzelte uns mit tränenden Augen zu. Dann nieste er. "Dieses saukalte Wetter hier macht mich fertig. Kommt mit, ich zeige euch das Ding."
Der Gnom erzählte, dass er mit einem Freund den Sumpf erkunden wollte. Es gäbe hier angeblich Überreste von einer alten Zivilisation, die er ja jetzt gefunden hätte. Sie waren vor einer guten Woche getrennt worden. Seinem Freund muss was passiert sein, weil er auch nicht mehr über den Sendestein erreichbar wäre.
"Sendestein?", fragte Luker.
"Ja," nickte der Gnom, "wir haben jeder einen. Das ist so ein grauer Kiesel." Er holte seinen aus der Tasche und rieb daran. In Lukers Rucksack begann es zu piepen. Er sah Luker überrascht an.
"Ich fürchte, dein Freund lebt nicht mehr.", sagte Luker bedauernd und erzählte, wo wir den Stein gefunden hatten. Der Gnom schniefte.
Auf dem Weg zu der Plattform kamen wir an einer weiteren Steinkugel vorbei, die im Boden steckte. Als wir dann die Plattform erreichten, war völlig klar, was zu passieren hatte. Die Vertiefungen waren genauso groß wie die Kugeln.
Luker blickte den Gnom an.
"Das war doch einfach. Warum bist du nicht da drauf gekommen?"
"Bin ich," sagte der Gnom, "aber danach brauchen sie mich nicht mehr und ich habe keine Lust, im Kochtopf zu landen."
"Stimmt, kluger Hinweis. Willst du mitkommen?"
"Gerne, wenn sie mich gehen lassen."
"Ich frag mal.", sagte ich. "Wenn da viel drin ist, sind sie so glücklich, da sagen sie bestimmt ja."
Und so war es auch. Wir rollten und schoben und hievten die Kugeln in die Schüsseln. Es begann zu rumpeln und die Platte schob sich nach oben. Nach einem guten Meter knackte etwas vernehmlich und die Plattform blieb, leicht schräg, stecken. Der uralte Mechanismus hatte seinen Geist aufgegeben. Darunter war eine viereckige Vertiefung und in der befanden sich dutzende Silberbarren, vom Alter schwarz angelaufen.
König Gumba, der auf einem Stuhl sitzend das Ganze beobachtet hatte, war so glücklich, dass er jedem von uns zwei der Barren schenkte. Der Gnom durfte auch gehen, jetzt hätte er ja keine Verwendung mehr für ihn. Und wir bekamen unser Boot. Gut, der Kahn war nicht die beste Qualität, aber er würde uns wohl noch an andere Ufer bringen, bevor er auseinander fiel.

Aus dem Waldesdunkel blickten zwei Paar Augen auf die Szenerie. "Sie haben ihr Boot. Ich bin beeindruckt." Die Katze maunzte leise. "Ja, wir müssen uns jetzt eins stehlen. Oder wir rudern mit ihnen." Die Katze maunzte lauter. "Dich auch als Goblin verkleiden? Wie soll das gehen? Du musst als Fisch folgen." Das Maunzen klang jetzt empört. "Hast du eine bessere Idee? Wenn nicht, dann musst du schwimmen." Die Katze maunzte wieder, ziemlich lange diesmal. "Ich soll mich als Vogel verwandeln und dich mitnehmen? Gut, das ist wirklich eine bessere Idee. Aber nicht rumzappeln während des Fluges. Ach ja, und wenn dir wieder schlecht wird, dann war das das letzte Mal."
Egal wie gut dein Plan ist: Wenn er auf die Spieler trifft, musst du doch improvisieren.

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Mercen
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Re: Tales from the Table (D&D 5e): Krissa

Beitrag von Mercen » 13 Nov 2021, 07:15

26 Nightal 1491 DR

Wir durften in einer leeren Hütte übernachten. Am Morgen machten wir uns dann auf den Weg.
Wir ruderten durch schwarze Wasser und erreichten bald die gegenüberliegende Seite. Das Ufer lag höher und es gab keine Möglichkeit, mit dem Boot irgendwo anzulanden. Die Bäume und das Unterholz standen dicht an dicht und dort gab es kein Durchkommen. Nach kurzer Zeit fanden wir eine kleine Bucht. Dort war ein verfallener Steg und eine Treppe führte nach oben. Dort ruderten wir hin und machten das Boot fest. Als wir zur Treppe gingen, hörten wir eine tiefe rumpelnde Stimme.
"Bleibt stehen, wenn euch euer Leben lieb ist."
Oben an der Treppe begann sich ein Baum zu bewegen. Große grüne Augen wurden sichtbar und in der Rinde hatte sich ein Spalt gebildet, aus dem wohl die Worte kamen. Der Baumherr hatte ein fast schwarze Rinde, ähnlich wie das Wasser, durch das wir gerudert waren.
"Ihr könnt hier nicht durch. Eure Art ist hier nicht willkommen."
Der Baum redete sylvanisch. Gut, dass Luker das konnte.
"Wir wollen zur Drachenhöhle. Der Drache hat Marscha entführt."
"Das ist nicht meine Angelegenheit. Ihr kommt hier nicht durch."
"Marscha hat dir doch bestimmt auch schonmal geholfen. Du musst uns nur durchlassen."
"Hom hum, das stimmt. Ich mache euch einen Vorschlag. Ihr erledigt etwas für mich und dann dürft ihr passieren."
"Und das wäre?"
"Hom hum, ab und zu taucht hier ein Troll auf. Er stellt sich in gebührender Entfernung vor mich hin und beschimpft und verspottet mich. Ich verstehe zwar nicht, was er sagt, aber er stört die Waldesruhe. Beseitigt mir diesen Troll. Er heißt übrigens Kanthar, wenn ich sein Geschrei richtig verstanden habe. Als Beweis bringt ihr mir seinen Ohrring mit. Dann dürft ihr passieren."
Das schien mir jetzt etwas übertrieben für eine Passage, aber wir hatten wohl keine Wahl. Meine Gefährten sahen das ähnlich.
"Nun gut, so sei es. Wo finden wir denn diesen Troll?"
So weit war es jetzt nicht weg, vielleicht eine halbe Stunde, wenn wir den Baumherrn richtig verstanden hatten.

So war es auch. Nach einer guten halben Stunde erreichten wir die Felsnadel, von der der Baumherr gesprochen hatte und am Fuße des Felsens gähnte ein Eingang.
"Hat einer von euch eine Ahnung, wie groß so ein Troll ist?", fragte ich.
"Ziemlich groß.", meinte Artemis. "Ich hab mal eine Geschichte gehört, dass sie so groß wie zwei Männer sind."
"Und sie sollen schwer zu töten sein.", sagte Luker. "Ihre Haut ist hart wie Stein."
"Na toll. Sonst noch was?"
"Nö, nicht das ich wüsste."
"Wie sieht der Plan aus?"
"Was für ein Plan? Wir wissen noch nicht mal, ob er zu Hause ist und wie es da drinnen aussieht. Ich probiere mal was."
Luker stellte sich vor die Höhle und rief: "Hallo? Jemand zu Hause?"
"Sag mal, hast du einen Schaden, uns so anzukündigen?", fragte ich.
"Warum? Vielleicht ist er ja friedlich. Der Baum war es nicht."
"Du willst mit ihm reden?"
"Ja klar. Wir brauchen doch nur den Ohrring. Wenn er ihn nicht rausrückt, dann können wir ihn ja immer noch hauen."
Es meldete sich aber keiner und so ließen wir den Gnom beim Ruderboot zurück und betraten die Höhle.
Die Gänge waren unregelmäßig und wirkten natürlich. Der Felsen selber bestand aus Kalkstein und der Regen hatte ihn wohl ausgewaschen. An den Wänden wuchsen verschiedene Arten von lumineszierenden Algen und verströmten genug Licht, damit wir leidlich sehen konnten.
Nach wenigen Metern bogen zwei Gänge ab. Aus dem linken roch es verdächtig nach übergelaufenem Plumpsklo und aus dem rechten hörten wir das Geräusch von fließendem Wasser, das in einen kleinen Tümpel plätscherte. Wir folgten dem Hauptgang weiter. Wir kamen zu zwei weiteren Abzweigen. Der Hauptgang bog links ab und schien sich zu einer größeren Höhle zu weiten.
Aus dem Gang rechts roch es stark nach Verwesung. Ein kurzer Blick zeigte uns ein buntes Sammelsurium an Knochen, Kleidung, Rüstungsteilen und abgezogenen Fellen.
Im Gang geradeaus war wieder Wassertröpfeln zu hören. Luker ging etwas in den Gang hinein. Dort war ein größerer Teich und an der Wasseroberfläche waren zwei goldglänzende Kugeln in etwa einem Meter Abstand zu sehen. Es waren Augen! Luker ging vorsichtig näher. Aus dem Wasser erhob sich ein grässlicher krötenartiger Kopf. Das besondere war nicht nur die Größe, sondern auch das Maul, welches aussah wie ein scharfzahniger Reißverschluss. Das Geschöpf kam näher.
Luker begann hastig einen Spruch zu rezitieren. Dann blieb er reglos stehen. Das Geschöpf kam aus dem Wasser, schnüffelte an Luker und rieb seine Schulter an ihm.
Donnerwetter! Was war das denn? Das Vieh war ja richtig kuschelig! Später erklärte er uns, dass er Tiere zu Freunden machen konnte. Das klappte aber nicht immer, deswegen hätte er schon mächtig Angst gehabt, als die Kröte auf ihn zu kam.
Die unkte und gluckste und Luker begann, sie zwischen den Augen zu kraulen. Dann schwang er sich auf ihren Rücken und legte die Hand zwischen die Augen. Seine verdrehten sich nach oben. Offensichtlich machte er einen weiteren Zauber.
Wir verhielten uns ruhig. Nach einiger Zeit kletterte er wieder herunter.
"So, jetzt weiß ich mehr. Sie wohnt hier schon recht lange und hat sich mit Kanthar, das ist der Troll, angefreundet. Sie passt auf die Höhle auf, wenn er nicht da ist und im Gegenzug versorgt er sie mit Futter. Er müsste bald zurück kommen, denn sie hat Hunger."
Misstönender Gesang war aus der Ferne zu hören.
"Ups, ich glaube, er kommt gerade." Luker zog sich mit seiner neuen Freundin in die Teichhöhle zurück und wir machten uns, so gut es ging, unauffällig.
Dann sah ich den Troll zum ersten Mal. Sein Kopf streifte fast die Höhlendecke. Er war fast doppelt so groß wie ich!
Er hatte mächtige Muskeln, sehr lange Arme, die in scharfe Klauen ausliefen und eine grünlich ledrige Haut. Er trug ein Wildschwein unter seinem linken Arm, das heftig strampelte und quiekte. Das gab mir eine recht eindrückliche Vorstellung von der Körperkraft dieses Wesens.
Im linken Ohr trug es eine große halb aufgeschnittene Schnecke. Das musste wohl der besagte Ohrring sein und der sah so aus, als wäre er fest mit dem Ohr verwachsen. So viel zum 'Eventuell können wir den stehlen'.
Er marschierte an uns vorbei und bemerkte uns nicht, wohl durch das zappelnde Schwein abgelenkt. Er brachte es in die große Höhle. Wir folgten unauffällig. Rechterhand war eine natürliche Erhebung im Fels. Darauf lagen viele Farne, Tannenzweige und Pelze. Links stand ein roh zugehauener Tisch. Darauf legte er das Wildschwein und hielt es mit der linken Hand fest. Er griff zu einem Kurzschwert, welches auf dem Tisch lag und schnitt dem Schwein die Kehle durch. Dann trank er von dem spritzenden und dampfenden Blut.
Das Kurzschwert hatte eine Besonderheit, die mir auffiel. Es leuchtete! Es leuchtete in einem schwachen blauen Licht. Bolg hatte mir von solchen Waffen erzählt. Diese wären mit Magie versehen worden, damit man besser kämpfen konnte und sie wären sehr selten. Wahrscheinlich lag der unglückliche ehemalige Besitzer in dem Knochenhaufen.
Die Kröte drängte es mit Macht in die große Höhle. Sie wollte ihre Leckerchen. Luker hatte eine gute Idee, wie er meinte. Er könne ja mal sehen, ob er an den Ohrring herankäme. Sagte es und verwandelte sich in eine Riesenkröte. Dann hopste er gurrend hinter seiner Gefährtin her.
Der Troll blickte sich um und bekam große Augen. Dann sagte er etwas, dem Tonfall nach: 'Ja wer bist du denn, du kleine Süße', grinste und tätschelte beide. Dann warf er ihnen Teile von Lunge und Eingeweiden zu. Er selber stopfte sich die Leber in den Mund.
Was nun folgte, war nicht nett. Der Troll war mit zwei offensichtlich hungrigen Kröten konfrontiert, die mehr wollten. Er machte eine beruhigende Handbewegung und gurrende Geräusche und ging nach draußen.
Scheiße! Wir hatten den Gnom vergessen! Nach kurzer Zeit kam er mit einem schlaffen Bündel zurück. Unser Weiser war aber wohl schon länger tot, denn es tropfte kein Blut mehr aus dem eingeschlagenen Schädel. Er wurde fachgerecht ausgenommen und die beiden Kröten machten sich heißhungrig über die Innereien her.
Bei Luker war es wohl ähnlich wie bei mir: Wenn man eine neue Form angenommen hatte, entwickelte man auch schnell Züge dieser Form. Er fraß, was seine Tiergestalten fraßen und ich erkannte nur noch mit Mühe meine Freunde, wenn ich im Rausch war. Das war ein Grund für die farbige fyrra-Plakette, die wir trugen. Wer die hatte, war ein Freund in der Schlacht, denn sonst konnte man ja die berserkir der anderen Logen nicht erkennen. Gnade uns allen, wenn der Feind das heraus bekam.
Der Troll war satt, die Kröten waren satt und der Troll beschloss, ein Nickerchen zu machen. Er warf sich auf seine Lagerstatt und begann umgehend zu schnarchen.
Zeit zu handeln. Luker wollte seine Kröte zurück in den Teich locken, aber die hatte keine Lust. Stattdessen hopste sie durch die Halle, um nach etwas Interessantem Ausschau zu halten.
Artemis und ich gingen zu der Schlafstatt. Ich war im Rausch. Artemis sollte versuchen, ob wir an den Ohrring herankamen. Er beugte sich über den Troll und ab jetzt ging alles schief.
Kanthar hatte nur einen leichten Schlaf, trotz seiner Schnarcherei. Er schlug die Augen auf, sah den Elfen und langte hin. Artemis machte einen Purzelbaum und rollte in die Halle. Ich schlug mit der Axt zu. Die Haut war tatsächlich so zäh, wie sie aussah und ich hatte Mühe, ein Loch hineinzuschlagen. Er hingegen hatte keine Mühe, in meine Haut Löcher mit seinen Klauen zu schlagen. Ich blutete ziemlich schnell aus diversen Wunden. Zu allem Überfluss verheilten seine Wunden sehr rasch, wie ich entsetzt feststellte.
Luker verwandelte sich zurück. Die Kröte war nicht glücklich, dass ihr Herr und Meister angegriffen wurde und machte sich über Artemis her. Ich lieferte mir ein verbissenes Duell mit dem Troll und mich beschlich langsam das schlechte Gefühl, dass ich hier nicht als Sieger vom Platz gehen würde. Warum gab es eigentlich keine Trollloge? Der Kampfstil 'Toben und Wüten' wäre doch passend. Leichter Nebel umspielte mich und ein Teil meiner Wunden ging zu.
Luker griff mit Zaubern in das Geschehen ein. Hinter dem Troll entstand eine flammende Kugel von gut zwei Metern Durchmesser und ein kräftiger Schlag von mir drückte den Troll in die Flammen. Von dem Schrei wurde ich fast taub. Aber noch etwas war zu sehen: Seine Wunden schlossen sich nicht mehr. Unter Aufbietung meiner letzten Kräfte verpasste ich ihm zwei mächtige Axthiebe und endlich fiel er um. Zur Sicherheit schlug ich noch ein paarmal zu, bis mich Luker auf die Situation den Elfen aufmerksam machen konnte. Artemis tanzte durch die Halle, verfolgt von der Kröte. Er erwischte sie nicht und sie ihn nicht. Aber so langsam ging ihm die Puste aus. Ich ging hinüber und beendete die Verfolgungsjagd.
Artemis heilte mich ebenfalls und wir beschlossen, hier dann auch zu übernachten. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, das es knapp gewesen war. Richtig knapp. Aber ich hatte Freunde. Zusammen konnte uns nichts passieren. Wir passten aufeinander auf.
Draußen war es bestimmt schon dunkel. Wir durchsuchten noch die ganzen Abfallhaufen und fanden einen magischen Ring, den ich bekam und der mich besser schützte, ein Halsband mit einem blauen Topas als Anhänger, das teuer aussah, mehrere Edelsteine, die aus einem Beutel gefallen waren, 20 Goldmünzen und einen kräftigen Heiltrank. Artemis bekam das Kurzschwert.

Im Waldesdunkel blickten zwei Paar Augen auf eine Pfütze, in der sich das Innere der Höhle spiegelte. "Ein Troll. Die Kinder töten einen ausgewachsenen Troll?!" Die Katze blieb diesmal ruhig. "Erstaunlich. Ich will sie haben."

Level up, Fortsetzung folgt …
Egal wie gut dein Plan ist: Wenn er auf die Spieler trifft, musst du doch improvisieren.

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