Spielrunde - Nibiru

Santiago
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Re: Spielrunde - Nibiru

Beitrag von Santiago » 11 Okt 2021, 10:31

Ja he, es gibt immer noch eine Steigerungsform, wo bleibt denn sonst die Herausforderung :lol:

Irgendwas dazu setzen lässt sich ohne Probleme. Wir haben jetzt aber auch "nur" den Quickstart gespielt, wo die Charaktere alle aus dem gleichen Habitat stammen, wenn das allein schon geändert wird, entfaltet sich das Spiel noch vielseitiger.... ich denke "Tom" wäre auch eher in einem Habitat namens "Dreadlands" heimisch gewesen, statt in dem Lebensbegrüßenden Bright Town :lol:
I'm fairly certain. I could be some ghastly hallucination, a figment of my own imagination

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Hati
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Re: Spielrunde - Nibiru

Beitrag von Hati » 13 Okt 2021, 19:24

Ich würde - so du es noch mal anbietest - sehr gerne mal eine Runde mitspielen ... damit ich weiß, ob sich der Zuwachs zum pile of shame lohnt :D
If the DM smiles, it is already too late.

Leitet aktuell: [Tales from the Loop]
Spielt aktuell: [Call of Cthulhu] | [Liminal] | [Magus] | [Tales from the Loop]
Spielwunsch: [Ghostbusters]

Santiago
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Re: Spielrunde - Nibiru

Beitrag von Santiago » 15 Okt 2021, 06:56

Ist notiert, ich gab Bescheid, wenn es nochmal so weit ist, allerdings gibt es da noch ein wenig anderes auf dem PoS😇
I'm fairly certain. I could be some ghastly hallucination, a figment of my own imagination

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Mercen
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Re: Spielrunde - Nibiru

Beitrag von Mercen » 23 Okt 2021, 17:02

Für Interessierte, wie sah der Nachmittag mit Nibiru aus :lol: und danke noch mal an Santiago, der das super rüber gebracht hatte:

Tom

Der Hund lag aufgeklappt vor mir. Sein Gedärm, seine Lungen und sein Herz waren rosarot. Seine Zunge hing heraus. Sie bewegte sich. Sie leckte über meinen Arm. Die Schnauze schnappte nach vorne, die Zähne bohrten sich in meine Muskeln und der Hund begann, daran zu kauen.

Ich wurde schweißnass wach. Über mir hing eine Neonlampe an einer metallen Decke und verbreitete weißliches Licht. Unter mir zog die Kälte des Metallbodens durch meine Kleidung. Es roch nach Maschinenöl und Ozon. Ein sanftes Brummen war durch die Wände (aus Metall, was sonst) zu hören. Etwas entfernt lag ein weiterer Körper auf dem Boden, der im Schlaf eine Geige umklammert hielt. Neben mir stand eine junge Frau und starrte mich entsetzt an. Genauer gesagt, sie starrte auf meinen Arm. Etwas hing an mir dran. Entweder ich hatte einen neuen Albtraum oder etwas war passiert, was ich nicht einordnen konnte.
Auf meinem Arm saß ein recht großes Insekt und war gerade dabei, seine Fühler oder was auch immer in mein Fleisch zu bohren. Ich wollte es reflexartig herunter schütteln, aber es hatte sich festgeklammert. So griff ich in die Tasche, zog mein Messer heraus und versuchte, es herunterzuschneiden. Nach den ersten säbelnden Bewegungen ließ es sich fallen und rannte mit leise klickenden Beinchen auf die nächste Wandvertäfelung zu und kletterte dahinter.

"Hallo," kickste eine hohe Stimme, "ich bin Claire."
Sie klang leicht panisch. Ich bemühte mich, in den Tiefen meines Gedächtnisses eine Antwort zu finden, aber da war es erschreckend leer. Ein Wort tauchte auf, eine vage Erinnerung.
"Tom. Ich glaube, ich heiße Tom."
Der junge Mann mit der Geige hatte sich in der Zwischenzeit ebenfalls aufgerichtet. "Ich bin Michael. Wo sind wir hier?"
Das war eine gute Frage und keiner von uns hatte auch nur die geringste Ahnung. Wir kamen wohl alle aus einer kleinen Stadt namens Brighttown, die, umgeben von Feldern und dem RING, unter zwei Sonnen lag. Es war wohl ein gemütliches Leben, mit Lachen, Rasen mähen und ruhigem Dorfleben.
Der RING war eine Zone absoluter Dunkelheit, die Brighttown umgab. Es war ein wenig wie ein Käfig, denn Zonen tieferer Dunkelheit wirkten wie Gitterstäbe. Michael sagte, man hätte ihn in den RING geschubst. Wer hineinging, kam nie wieder. Man redete auch nicht über so einen.
Claire hatte Erinnerungen an eine Uhrmacherlehre, Michael war wohl Musiker und ich hatte etwas mit Käse gemacht. Das war alles. Als hätte man die Festplatte gelöscht und nur noch Datenfragmente waren lesbar. Es war wohl leider kein Traum. Mein Arm tat weh.
Unter unserer Deckenlampe konnten wir etwa drei Meter weit in jede Richtung sehen. Weiteres Licht war nicht auszumachen. Auf den Metallwänden wuchsen kleine moosartige Polster. Auf dem Boden glitzerten ölig schimmernde Pfützen.
"Wohin jetzt?", fragte Claire.
"Ist wahrscheinlich egal", meinte ich.
Sie zog eine Uhr aus ihrer Tasche. Die war teuer, glaubte ich, denn sie war aus einem goldglänzenden Metall und sah alt aus.
"16:23. Sie ist stehengeblieben." Sie zog sie auf und ein leises Ticken war zu hören. Claire sah erleichtert aus und hielt die Uhr fest umklammert. Das war wohl so wie bei meinem Sturmfeuerzeug. Wenn ich das 'Gefühl' bekam, dann war es tröstlich, ein kleines Feuer anzuzünden. Das Flackern der Flammen und das Knistern des verbrennenden Materials war beruhigend.
"Dann gehen wir nach da," sagte sie mit fester Stimme und zeigte in den dunklen Gang zur Rechten, "das Saugding ist in die andere Richtung verschwunden."

Nach ein paar Schritten fing Michael an, schwer zu atmen, wurde langsamer und blieb dann stehen.
"Was ist?", wollte ich wissen.
"Da ist es dunkel.", sagte er.
"Das sehe ich. Willst du hier bleiben?"
"N-nein. Aber ich kann in der Dunkelheit nicht laufen, das geht nicht."
Das konnte ich sogar verstehen. Bei uns war es nie dunkel gewesen. Es gab die Kleine Dämmerung, wenn sich eine Sonne hinter der anderen versteckte, aber das war nur weniger hell, nicht dunkel. Dunkel war nur der RING. Aber hier brannte nichts, oder?
Ich schnitt aus einem Moospolster ein Kreuz heraus. Falls wir hier wieder vorbei kämen, würden wir es wissen. Ich hielt mein Feuerzeug an einen der Streifen. Es spotzte und knisterte und kleine Funken fraßen sich durch das Zeug. Vielleicht konnte man mit etwas Öl nachhelfen? Ich tränkte den Streifen in einer Pfütze und wurde mit einer schönen gelben Flamme belohnt. Leider war der Streifen ziemlich labbrig und so blieb mir keine andere Wahl, wenn ich mir nicht die Pfoten verbrennen wollte. Ich fragte Michael, ob ich seinen Geigenbogen haben könne. Ich bräuchte einen Stab für eine Fackel.
Die erwartete ablehnende Antwort kam prompt. Dann hatte ich eine Idee. Ich warf das brennende Zeug mit einer weit ausholenden Bewegung nach vorne. Dort prallte es auf dem Boden auf und ich hatte genügend Zeit, dort hinzugehen, einen weiteren Streifen aus der Wand zu puhlen, zu tränken, anzuzünden und nach vorne zu werfen. Das war mühsam, aber Michael konnte seine Angst so weit abschütteln, dass er mitkommen konnte. Ich hatte den Eindruck, dass mich Claire für diese Idee bewundernd ansah. Das war ein gutes Gefühl.

Nach einer guten Stunde vermeinten wir vor uns Licht zu sehen. Licht am Ende des Tunnels! Claire wurde zügig und marschierte mit weitausholenden Schritten los. Wir beeilten uns, hinterherzukommen.
Der Tunnel öffnete sich in eine riesige Kaverne. Vor uns erstreckte sich ein Schrottplatz von gigantischen Ausmaßen. Abgerissene Bleche, verbogene Rohre und allerlei undefinierbares Zeug bildeten Hügel. Dazwischen waren flachere Abschnitte, auf denen man weiterkam, wenn man vorsichtig war. Das Licht kam von einer Säule, die in der Mitte der Höhle stand und vom Boden bis zur Decke ging. Darunter waren Häuser und Straßen zu erkennen, die ebenfalls beleuchtet waren. Es war eine Stadt!
Wir machten uns vorsichtig auf den Weg, denn das Wandern über die losen Schrottteile war nicht ungefährlich. An einem der Hügel blieb ich stehen, denn ich hatte dort dünnere Stangen entdeckt. Ich suchte mir ein schönes handliches Exemplar von etwa einem Meter Länger heraus, dessen stählerne Solidität sich beruhigend in meine Hand schmiegte. Ich schwang sie ein paarmal hin und her, um ein Gefühl für sie zu bekommen.
"Was willst du denn damit?" fragte Claire mit großen Augen.
"Schau dich mal um, hier gibt es hunderte von Verstecken. Weißt du, was hier wohnt?"
Sie schauderte. "Hoffentlich nichts."
Einer der Haufen geriet ins Rutschen, als wir uns an ihm vorbei zwängten und Michael meinte, etwas wie ein Gesicht gesehen zu haben. Ich schaute vorsichtig in die entstandene Höhlung. Ja, es war ein Gesicht, zwar etwas fremdartig, aber unzweifelhaft ein Gesicht. Ich stupste es mit der Stange an und wurde mit einem satten metallischem Klang belohnt. Eine metallene Puppe?
Claire sah ebenfalls nach. Sie trug eine seltsame Brille, über die man ein Vergrößerungsglas klappen konnte. So was verwenden Uhrmacher, um besser sehen zu können, hatte sie erklärt. Sie meinte, es wäre ein Roboter. Michael fragte, ob wir ihn ausgraben sollten, um mal nachzusehen, aber meine Meinung war, wenn er schon hier rumlag, war er wohl kaputt und würde uns nichts nützen. Das sahen sie ein und wir marschierten weiter und erreichten nach kurzer Zeit die Stadtgrenze.

Dort stand ein Mann herum und schien den Straßenzugang zu bewachen. Er sprach uns an.
"Hallo, wer seid denn ihr?"
"Wir haben uns verlaufen.", sagte Claire. "Wo sind wir hier?"
"Das hier ist Oxydia," sagte der Mann. "Wo kommt ihr denn her?"
"Aus Brighttown.", sagte Claire.
"Nie gehört. Wo ist das denn?"
Wir beschrieben die Stadt, aber da Licht der Erkenntnis flackerte nicht in seinen Augen.
"Ihr solltet sehen, dass ihr eine Unterkunft findet. Bald beginnt die Dunkelheit, wenn der KERN abgeschaltet wird. Dann möchtet ihr nicht draußen sein, weil dann komische Dinge kommen."
"Gibt es hier ein Hotel oder sowas?"
"Nein. Ihr könnt bei der Stadtverwaltung nachfragen oder euch nimmt ein Farmer auf. Aber die bauen bereits ihre Stände ab, da müsst ihr euch beeilen."
"Dann versuchen wir auf dem Markt unser Glück. Danke für die Auskunft."
Wir gingen die Straße entlang und kamen auf einen großen Platz. Dort stand ein Metallgebilde, bestimmt gute zehn Meter hoch und wie eine Blume geformt. Aus dem Kelch entsprang die leuchtende Säule. Von der Blume liefen Leitungen weg, die die Straßenbeleuchtung und die Häuser mit Energie versorgten.
Um die Säule herum waren Menschen dabei, ihre Stände zu verpacken. Viele hatten Handkarren dabei, aber einige, die wohl weiter weg wohnten, besaßen auch schwebende Plattformen. An den Kontrollen standen jeweils putzige kleine Roboter mit vielen Armen, die wohl die Plattformen steuerten.
Claire fragte sich durch, ob jemand wohl drei arme verlassene und verirrte Leute aufnehmen wollte, aber niemand wollte. Sie wurde mit barschen Worten weg geschickt.
In mir begann das 'Gefühl' zu keimen.
Die Leute waren unfreundlich.
Ich mag keine unfreundlichen Leute.
Ich mag aber die Wärme, die sich mit dem 'Gefühl' ausbreitet.
Das, so wurde mir früher immer gesagt, wäre nicht gut. Ich müsse das beherrschen. Dafür hatte ich Pillen bekommen. Hier war aber niemand, der mir das jetzt sagen konnte. Pillen hatte ich auch keine mit.
Ich wandte mich an einen der Männer, der seine Schwebeplattform belud.
"Sag mal, wohnst du alleine?"
"Nein, was geht dich das an?"
Claire zerrte mich weg.
"Was machst du da?"
Ich sah sie mit leicht irrem Blick an.
"Wenn er alleine wohnt, schlage ich ihn nieder. Dann fahren wir zu seinem Haus."
"Spinnst du? Wenn uns jemand sieht, dann werden wir verhaftet."
"Ja und? Dann sitzen wir halt in einer gemütlichen Zelle in Sicherheit. Alles besser als draußen."
Michael mischte sich ein.
"Wartet mal. Ich spiele jetzt was auf der Geige. Vielleicht haben wir Glück und jemand nimmt uns auf."
Ein paar Leute hörten zu, gingen aber nach kurzer Zeit wieder weg, um weiter zu packen. Dann blieb ein gewaltiger Hut vor uns stehen. Unter dem Hut war verschwommen ein Gesicht auszumachen. Er fragte Claire nach ihrem Namen. Uns fragte er nicht.
Er war gewillt, uns mitzunehmen. Dafür müssten wir ihm bei der Ernte helfen. Es züchtet eine Art Wurmseide, die in verlassenen Gängen von großen Würmern gesponnen wurde. Er hatte einen Wurm namens Berta, der das für ihn machen würde. Wir erfuhren, dass seine Frau Musikerin gewesen war und durch die Musik die Würmer besänftigen konnte.
Claire fand den Namen süß. Wenn etwas einen Namen hat, dann ist es ungefährlich. Ich fand das eine seltsame Idee. Ich hatte auch einen Namen. Ich war nicht ungefährlich. Also meistens schon, aber nicht immer.

Wir fuhren zum Haus des Farmers. Das war eine große Blechhütte am Rand des Schrottplatzes. Innen drin war es spartanisch. Ein Tisch, zwei Stühle und eine große Schalttafel an der Rückseite waren die Einrichtung. Und natürlich sein Roboter. Und ein Käfig an einer der Wände, der wohl ein Aufzug war.
Das Abendessen bestand aus einer bläulich schimmernden Paste. Das schmeckte nicht gut, so wie eine Mischung aus Schmieröl und Pappe. Der Farmer aß es aber ebenfalls, also musste es wohl nahrhaft sein. Was gäbe ich jetzt für ein schönes Stück Käse!
Wir sollten vor dem Einsetzen der Dunkelheit noch die Ernte einbringen. Wenn der KERN abgeschaltet wird, dann funktionierte weder der Aufzug noch die Beleuchtung und die Türen lassen sich nicht auch mehr öffnen.
Wir bekamen zwei Funkgeräte, zwei Scheren und vier Kannen, in die wir die Wurmseide deponieren sollten. Eine Taschenlampe, eine kleine Schwebeplattform und der Roboter vervollständigten das Equipment. Der Farmer würde von hier oben die Türen bedienen. Er wusste, wo der Wurm war, und würde uns leiten.
Dann bestiegen wir den Aufzug. Es ging nach unten. An einer Stelle ruckelte der Aufzug, als müsste er an einem Hindernis vorbei, aber dann setzte er die Fahrt fort. Dann stoppte der Aufzug und seine Türen öffneten sich. Wir blickten in einen erleuchteten Gang.
Spinnweben zogen sich kreuz und quer durch den Gang. Der Durchmesser reichte von fingerdick bis zur Größe eines Unterarms. Sie waren hohl, wie wir schnell feststellten und sackten in sich zusammen, wenn man sie durchschnitt. Trotz des vollen Gangs hatten wir hinterher gerade mal eine halbe Kanne zusammenbekommen. Das würde dauern. Am Ende des Ganges waren zwei Türen. Claire sprach in ihr Funkgerät. Wir wurden mit einer knisternden Antwort belohnt und eine der Türen öffnete sich langsam. Dahinter war es dunkel und voller Spinnweben.
Der Roboter mischte sich ein: "Gefährlich."
"Was ist hier gefährlich?"
"Sparkling. Nicht berühren."
Etwas weiter entfernt war ein kleiner Körper in den Spinnweben zu erkennen. Kleine elektrische Entladungen liefen von ihm über die Spinnfäden, die ihn hielten. Das Licht ging erst an, als wir alle in dem Gang waren und sich die Türe geschlossen hatte. Wir schnitten um den Sparkling herum und kamen unbeschadet auf die andere Seite Jetzt hatten wir die erste Kanne voll. Drei Türen waren zu erkennen. Also noch sechs Gänge, dann konnten wir wieder nach oben.
Wir nahmen die Tür links. Auch dieser Gang war voller Spinnweben und wir füllten zügig unsere Kanne. Etwa in der Mitte des Ganges lag eine kleine Ledertasche auf dem Boden. Claire hob sie auf und sagte: "Komisch."
"Was ist komisch?", wollte Michael wissen.
"Das sieht aus wie die Werkzeugtasche meines Vaters."
"Eine Uhrmachertasche?"
Claire öffnete das Etui.
"Das sind genau die Sachen, die mein Vater gesammelt hat."
"So ein Zufall.", meinte ich.
Sie drehte die Tasche um.
"Und hier ist das Monogramm." Ihre Stimme wurde wieder höher. "Das IST seine Tasche."
"Das kann nicht sein. Wie sollte die denn hierher kommen?"
"Das weiß ich nicht, aber das ist seine Tasche!"
Sie zog ihre Uhr aus der Tasche und hielt sie fest. Dann begann sich ihr Atem zu beruhigen.
Ich zuckte mit den Schultern. "Ist bestimmt Zufall. Schließlich war dein Papa nicht hier. Aber du hast schon recht, das ist komisch. Wenigstens hast du jetzt Werkzeug."

Das nächste Tor öffnete sich. Hier war leise Musik zu hören, wie von einer Spieluhr. Claire sprach in ihr Funkgerät und das Tor schloss sich. Dann hörten wir das Geräusch einer sich öffnenden Tür von weiter weg.
Es gab einen Knall, als sich kurze Zeit später etwas gegen unser Tor warf. Das Tor beulte sich nach innen. Das Tor bestand aus gut 20 Zentimeter dickem Stahl und es beulte sich nach innen!
Wir rannten auf die andere Seite, wo ein weiteres Tor nach links führte.
Claire redete in ihr Funkgerät, aber es kam keine Antwort.
"Bekommst du das Tor auf?", fragte ich.
"Ich weiß nicht, ich brauche Werkzeug für die Verkleidung und in der Tasche ist nichts passendes."
Ich reichte ihr mein Messer. Sie begann, an der Verkleidung herumzuprokeln und bekam sie am Ende ab. Darunter war ein Gewirr von bunten Drähten.
Es krachte erneut gegen das Tor. Das Ding sah schon recht schief aus.
"Ich will dich nicht stressen, aber beeil dich bitte etwas. Mit der Stange komme ich kaum gegen etwas an, was Stahltore eindrücken kann."
"Ich versuch mal was.", sagte Michael und begann, auf seiner Geige zu spielen. Das schien zu wirken, denn das Monstrum auf der anderen Seite hörte auf, gegen das Tor zu bollern und schien zu lauschen.
Das Tor vor uns rumpelte zu Seite. In diesem Gang, eigentlich eher ein Raum, waren nur sehr wenige Spinnweben. In der Mitte stand eine leuchtende Säule. An ihrem Fuß stand ein Musikgerät, welches in einer Endlosschleife die Spieluhrmusik abspielte.
"Vorsicht, Gefahr!", rief der Roboter.
In dem Netz hingen wieder Sparklings. Ich nahm Anlauf, rutschte unter den Fäden hindurch und erreichte das Musikgerät. Dann schaltete ich es aus. Es wurde schlagartig ruhig.
Claire hatte langsam den Bogen raus. Die Verkleidung fiel zu Boden, sie schloss die Drähte kurz und das Tor schloss sich.
Leider nicht für lange. Das Tor begann sich wieder zu öffnen. Wir hörten auf der anderen Seite Berta atmen.
"Scheiße, was jetzt?"
Claire rammte kurz entschlossen das Messer in die Drähte. Sie wurde mit einem Funkenregen belohnt. Das Tor stoppte. Wir hörten Schnuffen und Schnauben auf der anderen Seite.
"Der will uns umbringen, warum auch immer. Wir müssen zurück zum Fahrstuhl. Wir fahren wieder hoch. Dann unterhalte ich mich mit dem Kerl."
"Was sagt er?", wollte Michael wissen.
"Tom will wieder nach oben. Wenn Tom dann nach dem Gespräch mit unserem Gastgeber etwas aufgeräumt und sauber gemacht hat, können wir auch hoch.", erklärte Claire.
"Oh."
Allerdings war uns der Rückweg versperrt. Ich betrachtete die rauchenden Drähte und bekam das 'Gefühl'. In letzter Sekunde gelang es mir, das Tier in mir in den Griff zu bekommen.
"Wo … knister … ihr?", tönte es aus dem Sprechgerät.
"Leuchtende Säule.", sagte der Roboter.
"Warum klemmt ... knister ... Tor?"
"Der Roboter hat uns den Mechanismus gezeigt.", sagte Michael und grinste.
Claire hatte mittlerweile das Tor am anderen Ende geöffnet. Spinnweben und zwei kleine Schächte auf der rechten Seite waren in dem Gang vor uns zu sehen. In den Spinnweben hingen weitere Sparklings und leuchteten blau vor sich hin.
"Du … knister ... Roboter! Hast ihnen das Türgeheim … knister ... verraten? Na warte … knister."
Der Roboter setzte sich in Bewegung und marschierte in die Netze. Bläuliches Flackern umspielte ihn, Überladungsblitze krachten aus seinem Körper und die Kopfabdeckung flog in hohem Bogen davon. Der Roboter blieb stehen und seine Arme hingen schlaff herunter.
"Dreckskerl … knister … hast du jetzt davon."
"Er hat ihn umgebracht.", flüsterte Claire entsetzt.
"Ja, jetzt weißt du, was uns erwartet. Wir sitzen in der Falle."
Über uns war Bewegung zu hören. Rostfladen fielen von der Decke. Dann hörten wir einen Knall, als sich etwas Schweres auf die Decke fallen ließ. Die Netze gerieten in Bewegung, als die Sparklings flüchteten. Ein Paneel hing schlaff herunter.
Berta randalierte dieweil fröhlich über uns herum und wollte offensichtlich zu uns. Die Schächte in dem Gang hatten gerade mal die Größe eines Kanisters und waren für uns nicht zu benutzen. Ein sanfter Zug nach oben verriet, was das hier war: Der Lastenaufzug.
Claire und ich hatten spontan die gleiche Idee, aber sie war schneller.
"Der Gettoblaster! Wir schicken ihn nach oben und dann folgt ihm Berta. Dann sind wir zwei Probleme mit einem Schlag los."
Gesagt, getan. Als Ablenkung schickten wir zuerst einmal einen Kanister mit Wurmseide nach oben. Der Gettoblaster machte sich als zweites auf den Weg. Ich hatte die Lautstärke auf Maximum gedreht und den Einschaltknopf gedrückt. Die Spieluhr begann ihr Lied erneut. Für kurze Zeit war Ruhe über uns und dann begann das infernalische Getöse erneut, als sich Berta ebenfalls auf den Weg nach oben machte. Das Lied schien sie wirklich magisch anzuziehen. Es wurde leiser und leiser und dann hörten wir die Spieluhr erneut, diesmal aus den Funkgeräten.
Wir hörten auch die Stimme des Farmers.
"Was, zum … knister … Geräusch?"
"Scheiße, was … knister … geh weg … knister … Neeeeiiiiinnnn …"
Seine Schreie brachen ab. Auch die Musik der Spieluhr brach ab. Nur noch das Knistern des statischen Rauschens und die Bewegungen von Berta waren aus dem Funkgerät zu hören. Dann verstummte auch das. Die leuchtende Säule verlosch. Die Energie des KERNs war abgeschaltet worden und uns umfing die Dunkelheit. Wir saßen fest. Ich hoffte, nicht für lange. Ich würde ungern ausprobieren, wie Michael schmeckt.
Egal wie gut dein Plan ist: Wenn er auf die Spieler trifft, musst du doch improvisieren.

Santiago
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Re: Spielrunde - Nibiru

Beitrag von Santiago » 23 Okt 2021, 18:04

Cool, Danke für den Augenzeugenbericht😎
I'm fairly certain. I could be some ghastly hallucination, a figment of my own imagination

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