SL-Frage: Reichsverwaltung / Kingdom Building

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Liechtenauer
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SL-Frage: Reichsverwaltung / Kingdom Building

Beitrag von Liechtenauer » 27 Aug 2018, 11:14

Hey Folks,

vermutlich kennt das jeder langjährige Spielleiter: Gegen Ende einer langen Kampagne schwimmen die Charaktere geradezu in Geld und magischen Gegenständen und der Großteil der Gegner aus dem Monsterhandbuch entlockt der Gruppe allenfalls noch ein müdes Gähnen.

Fängt man dann mit neuen Charakteren von vorne an wieder Wölfe aus dem Dorf zu vertreiben oder spielt man mit den aktuellen Halbgöttern weiter und sucht eine neue Herausforderung, z.B. auf politischer Ebene?

Dazu meine Frage: Hat jemand von euch Erfahrungen mit sog. Königreichs-Verwaltungssystemen / Kingdom Building Rules?

Bei Pathfinder zumindest weis ich, dass es dafür Regeln gibt (Königsmacher Kampagne und/oder Ausbauregeln IV, siehe hier). Das sieht schon fast nach einer ausgeklügelten Wirtschaftssimulation aus und klingt erstmal nicht schlecht, für einen alten Simulationisten wie mich.

Taugt das System was, gibt es andere oder habt ihr da selbst was entworfen? Hat das euren Spielern Spass gemacht, zwischen den Abenteuern? Welche Highlights gab es?
"Wo das Chaos auf die Ordnung trifft, gewinnt meist das Chaos, weil es besser organisiert ist."

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Santiago
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Re: SL-Frage: Reichsverwaltung / Kingdom Building

Beitrag von Santiago » 27 Aug 2018, 11:52

Bisher keine bis wenig Erfahrung damit, da meine Runden meist nicht so angelegt sind, oder die jeweiligen Kampagnen immer vorher abgebrochen wurden. Bin aber am Überlegen für diesen Fall die Herangehensweise aus dem Brettspiel "Gloomhaven" zu klauen bzw. anzupassen:

Bei der Charaktererschaffung überlegt sich jeder Spieler ein bestimmtes Ziel für den Charakter, das er erreichen will. Dadurch fließt auch mehr aus der Vorgeschichte mit ein, bspw. Rache für die Ermordung eines Freundes/der Familie; Vermögen anhäufen, weil man immer der Ärmste war; Entschlüsselung eines großen Mysteriums u.ä.. Wenn das Ziel erreicht ist, gibt es eigentlich keinen richtigen Grund mehr für den Charakter groß weiter zu ziehen, so daß er sich zur Ruhe setzt und der Spieler einen neuen startet ((grob aufgelevelt, damit er anderen Charakteren gegenüber nicht zu sehr hinterherhängt))

Ist in dem Augenblick aber auch ein wenig abhängig von der Gruppe. Wenn die Charaktere ihre Ziele alle mehr oder weniger fast gleichzeitig erreichen und sich zur Ruhe oder an die Regierung begeben wollen, setzt Deine Frage natürlich erneut an :?

"Through the breach" nutzt ein ähnliches System, indem jedem Charakter bei der Erschaffung ein ziemlich kryptisches Schicksal prophezeit wird ((meistens ein Satz, der durchgelesen nicht viel Sinn ergibt :lol: )). Spieler und SL sind dazu angehalten, sich gemeinsam zu überlegen, wie die einzelnen Teile im Szenario erfüllt werden können.
I'm fairly certain. I could be some ghastly hallucination, a figment of my own imagination

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Sune
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Re: SL-Frage: Reichsverwaltung / Kingdom Building

Beitrag von Sune » 29 Aug 2018, 20:20

Ich habe ebenfalls bisher noch keine Erfahrung damit gemacht, aber soweit ich weiß, gibt es in dem bald erscheinenden Forbidden Lands Regeln dafür. Außerdem gibt es noch Reign, das ich aber auch noch nicht gespielt oder gelesen habe. Da ist das ganze Regelsystem für einen größeren Maßstab angelegt. Die 2. Edition ist gerade in der Mache.

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Liechtenauer
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Re: SL-Frage: Reichsverwaltung / Kingdom Building

Beitrag von Liechtenauer » 31 Aug 2018, 15:55

Vielen Dank für das Feedback bisher. Besonders Forbidden Lands scheint in eine ähnliche Richtung zu gehen, die mir vorschwebt (Mix aus Charakter- und politischem Spiel). Schau ich mir dann auf jeden Fall auch mal an.

Mittlerweile hab mich jetzt mal selbst in die Pathfinder Königreichsregeln eingearbeitet und mal 12 Züge (in Game Terms 1 Jahr) meines Test-Königreichs durchsimuliert.

Ich muss sagen, ich bin positiv überrascht, und es macht (zumindest mir) ziemlich viel Spass die ersten Ortschaften aufzubauen und Gebiete zu erkunden. Das System scheint gut ausgewogen und aufgrund der Zufalllsereignisse und der nicht so geringen Gefahr des vollständigen Einnahmenausfalls bleibt es spannend. Und ja, es kann durchaus passieren, dass man das ganze Königreich an die Wand fährt, wenn man unkluge Entscheidungen trifft.

Weiterer Pluspunkt ist in meinen Augen, dass es auch mit D&D 5 sofort spielbar ist, sofern die Reichsämter von ausreichend hochstufigen PCs/NPCs besetzt werden, die im Durchschnitt einen mindestens +3 Bonus auf das jeweilig relevante Attribut mitbringen.

Dennoch sehe ich ein paar Herausforderungen, die man als SL beachten sollten:
  • Mein Test-Königreich hat gezeigt, dass man das auch sehr gut alleine spielen kann. Und da das zusätzliche Regelsystem dafür auch relativ umfangreich und komplex ist, sehe ich die Gefahr, dass möglicherweise nicht alle Spieler daran Interesse zeigen/sich die Mühe machen da einmal durchzusteigen. Dann könnte das rel. schnell in eine One-man-Show abdriften, bei der nur einer der Spieler die Spielzüge macht und sich der Rest langeweilt. Man sollte also als SL drauf achten, dass man alle Spielercharaktere aktiv in die Verwaltung mit einbezieht, z.B. Die Ereignisse tatsächlich ausspielen lässt und die jeweiligen Entscheidungen auch nur vom jeweiligen Amtsinhaber entgegennimmt.
  • Ohne Excel oder ein anderes Tabellenkalkulationssystem geht es glaube ich nicht. Dafür sind die gegenseitigen Abhängigkeiten einfach zu komplex. Auch sollte man tunlichst die einzelnen Entscheidungen pro Zug mitprotokollieren, sonst kommt man schnell durcheinander.
  • Man muss darauf achten, dass es nicht zu sehr in eine reine Buchhalter-Übung abdriftet. Z.B. eine Gaststätte in der eigenen Stadt sollte mehr sein als nur die wertetechnischen Vorteile auf die Attribute des Königreichs. Dort sollte es auch einen Wirt geben und das Etablissement sollte auch einen Namen haben. Wie hat man z.B. den Wirt überzeugt sich hier niederzulassen? ...
Das wären meine Gedanken für's erste. Wenn jemand daran noch weiter Interesse hat, einfach fragen.
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